Fliegende Funken Festival – AGAINST THE DRIFT/GEGEN DEN DRIFT INS SEICHTE | 17–20. September 2026
„You’ve turned it into entertainment. You’ve ruined my dream.“
David Shephard, einer der Gründer der Improtheaterbewegung in Chicago, nachdem er gesehen hatte, was aus seiner Gruppe geworden war, zit. in JOHNSON 2008, S.49
Es gibt einen ständigen Drift hin zum seichten Entertainment beim Improtheater. Es ist durch die “Ja-Und” Mentalität in Gefahr, die Erwartungen des Publikums allzu bereitwillig zu bedienen, den Zuschauenden zu geben, was sie wollen und dabei geradezu populistisch alles zu verstärken, was auf Resonanz stößt. Impro findet sich dann in einem selbstgebauten Käfig von Erwartungen wieder, es soll immer Comedy sein, immer lustig, immer knallig, immer unterhaltsam.
Wenn es mal ein paar Minuten keine Lacher gibt, werden die Spieler:innen nervös und verfallen auf „panic moves“, d.h. sie bieten dem Publikum bewährte Gags und Games, von denen sie wissen, dass sie gut ankommen. Jede Improgruppe kennt vermutlich diese Diskussionen um die Frage, wie man mehr Kunst auf die Bühne kriegen kann, gefolgt von ängstlichen Fragen, ob dann die Zuschauer:innen wegbleiben und weiter gefolgt von last-minute-Entscheidungen, doch lieber auf die altbewährten Spiele zu vertrauen.
Viola Spolin und Keith Johnstone, die Gründerfiguren des modernen Impro, haben dieses Problem schon früh erkannt und nach Lösungen gesucht, wie die Spielenden ein souveränes Verständnis ihrer Kunst entwickeln können. Es ist vielleicht Zeit, sich wieder daran zu erinnern, die Debatte wieder anzufachen, die Übungen aus dem Keller zu holen und ein kleines Reboot zu unternehmen.
Beim Fliegende Funken Festival 2026 nehmen wir uns die Zeit, diese alte Frage auf unsere Gegenwart anzuwenden. Populismus ist keine Option, war es nie und darf es heute erst recht nicht sein. Natürlich kann es nicht darum gehen, dass Impro nicht mehr unterhaltsam sein soll. Aber handelt es sich überhaupt um ein Dilemma? Geht nicht doch beides, gute Unterhaltung UND künstlerische Entwicklung?
Das Festival will diese Frage(n) erforschen und austesten. Es lädt die Impro-Community ein zu einem künstlerischen Austausch und zu einer vertieften Reflektion über das Thema.
There is a constant drift toward shallow entertainment in improv theater. The “yes-and” mentality puts it at risk of all too readily catering to the audience’s expectations, giving viewers what they want and, in doing so, reinforcing everything that resonates with them in an almost populist manner. Impro then finds itself in a self-made cage of expectations: it should always be comedy, always funny, always flashy, always entertaining.
If there are no laughs for a few minutes, the players get nervous and resort to “panic moves,” i.e., they offer the audience tried-and-true gags and games that they know will go down well. Every improv group is probably familiar with these discussions about how to get more art onto the stage, followed by anxious questions about whether the audience will stay away, and then last-minute decisions to stick with the tried-and-true games.
Viola Spolin and Keith Johnstone, the founding figures of modern improv, recognized this problem early on and sought solutions to help performers develop a confident understanding of their art. Perhaps it is time to remember this, reignite the debate, dust off the exercises from the basement, and undertake a little reboot.
At the Fliegende Funken Festival 2026, we will take the time to apply this old question to our present. Populism is not an option, never has been, and certainly should not be today. Of course, it cannot be about improv no longer being entertaining. But is this really a dilemma? Can’t we have both good entertainment AND artistic development?
